Welches Dach eignet sich für Solar?

Süd-Dach? Walmdach? Ziegel oder Eternit? Welche Schweizer Dächer wirklich passen und welche du besser sanierst statt belegst.

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Drei Dimensionen: Ausrichtung, Neigung, Material

1. Ausrichtung

AusrichtungErtrag (% von Süd)Bewertung
Süd100 %Optimal
Süd-Ost / Süd-West93-96 %Top
Ost / West88-92 %Gut, hoher Eigenverbrauch
Reines Ost-West (Flachdach)82-88 %Sehr gut für ZEV
Nord-Ost / Nord-West70-78 %Wirtschaftlich nur bei tiefer Investition
Nord50-60 %Nicht empfohlen

2. Neigung

25-35° ist optimal für Mittelland-Lagen. Bei flacheren Dächern (10-20°) sinkt der Wintervortrag, bei steileren (45-60°) der Sommerertrag. Aber: Nahezu jede Schweizer Dach-Neigung lässt sich wirtschaftlich nutzen, der Unterschied im Jahresertrag ist meist unter 10 %.

3. Dachmaterial

MaterialEignungBemerkung
TonziegelSehr gutStandard, einfache Befestigung
BetondachsteinSehr gutwie Tonziegel
Blechdach (Trapez/Sandwich)Sehr gutKlemmsysteme, schnelle Montage
SchieferGutSpezielle Befestigung, Mehrkosten ~10 %
Eternit (Faserzement)BedingtÄltere Versionen mit Asbest erfordern Sanierung
Reet (Strohdach)Nicht möglichBrandschutz
Bitumenbahnen (Flachdach)Sehr gutAufständerung, kein Eingriff in Dichtung nötig

Eternit-Dächer vor 1990 enthalten oft Asbest. Bei Bohrungen oder Neuverlegung ist eine Sanierung Pflicht. Solche Dächer eher zuerst sanieren, dann PV - die Kombi-Lösung wird gefördert.

Die drei k.o.-Kriterien

1. Restlebensdauer unter 5-7 Jahren

Wenn das Dach in den nächsten Jahren saniert werden soll, lohnt PV nicht: Demontage und Neumontage einer 8 kWp Anlage kostet CHF 4’000-6’000. Erst Dach sanieren, dann PV.

2. Massive Verschattung

Wenn der Süd-Bereich des Dachs zwischen 10 und 16 Uhr durch ein Nachbargebäude oder einen grossen Baum verschattet wird, verlierst du 30-50 % Ertrag. Bei kleineren Bäumen, die wachsen, kann das auch erst in 5 Jahren zum Problem werden - lieber prüfen lassen.

3. Statik-Probleme

Vor 1960 errichtete Dachstühle sind teils statisch grenzwertig für PV-Lasten (18-22 kg/m² zusätzlich). Bei Verdacht: kurze Statik-Prüfung durch einen Bauingenieur (CHF 500-1’000), und im Zweifel verstärken.

Spezialfälle

Walmdach

Vier abgewalzte Seiten - die Süd-Seite ist meist kleiner als beim Satteldach. Häufig lohnt es sich, Süd-Ost und Süd-West zu kombinieren - so erreichst du die gewünschte Anlagengrösse mit zwei Teilanlagen, plus profitierst vom verteilten Tagesprofil.

Pultdach

Eine einzige Dachfläche. Wenn nach Süd: ideal, einfache Belegung. Wenn nach Norden: lohnt sich praktisch nicht - Anlage produziert nur 50-60 % des Optimums.

Flachdach

In der Schweiz typisch im Mehrfamilienhaus-Segment. Mit Aufständerung 10-15° wird "Süd" simuliert. Ost-West-Aufständerung erlaubt höhere Modul-Belegungsdichte. Die Dichtung wird meist nicht durchstochen, sondern die Module werden ballastiert.

Indach- oder Solar-Ziegel-Lösung

Module ersetzen den Dachbelag. Bei Neubau oder vollständiger Dachsanierung wirtschaftlich vergleichbar mit Aufdach (Mehrkosten Module - eingesparte Ziegel = ca. ±0). Bei bestehender Dacheindeckung: nur ästhetisch motiviert, sonst zu teuer.

Was machen mit Dachfenstern und Kaminen?

Hindernisse fressen kein bisschen Ertrag - aber sie erschweren das Modul-Layout. Pro Hindernis verlierst du 1-3 Modul-Plätze. Ein Anlagenbauer plant um die Hindernisse herum; bei sehr fragmentierten Dächern empfehlen wir Modul-Optimierer (SolarEdge), damit Verschattung von Kaminen die Anlage nicht ins Knie zwingt.

Häufige Fragen

Mein Dach ist 30 Jahre alt - lohnt sich PV noch?

Wenn die Dacheindeckung noch 10+ Jahre hält: ja. Wenn weniger: erst Dach sanieren, danach PV. Kombi-Lösungen mit gleichzeitiger Dachsanierung sind in einigen Kantonen zusätzlich gefördert.

Brauche ich eine spezielle Versicherung?

In der Schweiz ist die Solaranlage in der kantonalen Gebäudeversicherung typisch automatisch mitversichert (Hagel, Sturm, Feuer). Empfohlen wird eine Allgefahrenversicherung gegen Diebstahl und Sachschäden - Mehrkosten CHF 100-250/Jahr.

Was ist mit Solar-Dachfolien?

Folien-Module sind in der Schweiz selten und teurer pro kWp als Standard-Module. Sinnvoll nur, wenn die Dachstatik wirklich keine Last verträgt - sonst nehmen wir kristalline Module wegen besserem Wirkungsgrad und Lebensdauer.

Mein Dach ist denkmalgeschützt - geht trotzdem PV?

In den meisten Kantonen ja, wenn die Anlage "genügend angepasst" ist (z.B. dunkle Module, integrierte Lösung, hinter dem First). Vorabklärung mit der Denkmalpflege und der Gemeindebehörde ist Pflicht. In Basel-Stadt gibt es ein Spezialprogramm für denkmalgeschützte Liegenschaften.

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