Dachausrichtung und Solarertrag - alles, was zählt.
Wie viel Ertrag bringt welche Dachausrichtung? Süd, Süd-Ost, Ost-West, Nord - alle Werte für Schweizer Dächer mit Empfehlungen.

Die Dachausrichtung ist neben der Neigung der wichtigste Faktor für den Solarertrag deiner Anlage. Eine optimale Süd-Ausrichtung kann den Ertrag gegenüber einer ungünstigen Konstellation verdoppeln. Hier ist der Überblick.
Ertrag nach Ausrichtung - die Tabelle
Die folgenden Werte gelten für 30° Dachneigung und Schweizer Mittelland-Bedingungen. Für höhere Lagen (Engadin, Wallis) addiere 10-15 %, für Tessin und Genferseeregion bis 20 %.
| Ausrichtung | Ertragsfaktor | kWh / kWp / Jahr | Eigenverbrauchspotential |
|---|---|---|---|
| Süd | 100 % | 950-1’100 | Mittel - Mittagspeak |
| Süd-Ost / Süd-West | 93-96 % | 880-1’050 | Gut - verschoben |
| Ost / West | 88-92 % | 830-1’000 | Gut - Doppelpeak |
| Reines Ost-West (Aufständerung) | 82-88 % | 780-960 | Sehr gut - verteilt |
| Nord-Ost / Nord-West | 70-78 % | 660-850 | Niedrig |
| Nord | 50-60 % | 475-660 | Niedrig |
Süd ist nicht immer optimal
Klingt paradox, ist aber so: Eine reine Süd-Anlage maximiert den Ertrag, aber nicht zwingend den finanziellen Nutzen. Süd-Anlagen erzeugen einen starken Mittagspeak, der oft die Eigenverbrauchskapazität übersteigt. Der Überschuss geht dann zum tiefen Einspeisetarif (CHF 0.06-0.13/kWh) ins Netz, statt zum hohen Strompreis (CHF 0.30+/kWh) verbraucht zu werden.
Eine Ost-West-Anlage produziert mit 88 % weniger absoluten Ertrag, dafür spreizt sich die Produktion über den Tag - Morgen-Peak im Osten, Nachmittag-Peak im Westen. Der Eigenverbrauchsanteil steigt deutlich, oft auf 50-65 % statt 30-40 % bei Süd-Anlagen.
Faustregel: Bei wenig Eigenverbrauch (Berufstätige, leeres Haus tagsüber) ist Süd ideal - der Überschuss wird eingespeist. Bei viel Tagesverbrauch (Wärmepumpe, EV-Laden zuhause, Homeoffice) liefert Ost-West die bessere finanzielle Bilanz.
Neigung: 25-35° ist der Sweet Spot
Bei der Dachneigung gibt es eine klare Vorgabe: 25-35° liefert in Mitteleuropa den maximalen Jahresertrag. Steilere Dächer (45°+) verschieben die Produktion in Frühling und Herbst, flachere Dächer (10-20°) in den Sommer. Im Schweizer Mittelland ist die Mittellage am wirtschaftlichsten.
Verschattung: Der unterschätzte Ertragskiller
Eine Stunde Verschattung pro Tag durch einen Baum oder ein Nachbargebäude kostet rund 5 % Jahresertrag. Bei zwei Stunden sind es bereits 10-15 %. Moderne Anlagen mit Modul-Optimierern (z.B. SolarEdge) oder Mikro-Wechselrichtern (z.B. Enphase) kompensieren Teil-Verschattung gut, aber massive Schatten von Nachbarbauten bleiben Renditekiller.

Dachformen im Vergleich
Satteldach
Klassiker im Schweizer Mittelland - meist eine Süd- oder Süd-Ost-Seite mit guter Belegung. Häufig ergänzt durch eine Nord-Seite, die meist nicht belegt wird.
Walmdach
Vier abgewalzte Seiten - die Süd-Seite ist meist kleiner als beim Satteldach. Aber: Süd-Ost und Süd-West können beide belegt werden, was die Gesamtanlagenleistung kompensiert.
Flachdach
Beliebt im Mehrfamilienhaus-Segment. Mit Aufständerung 10-15° wird quasi „Süd" simuliert. Ost-West-Aufständerung erlaubt höhere Modul-Belegungsdichte und gleichmässigere Produktion - die heute bevorzugte Variante bei grösseren Anlagen.
Pultdach
Eine einzige geneigte Fläche. Wenn nach Süd ausgerichtet: ideal. Bei Nord-Ausrichtung leider nicht zu retten - eine Anlage rentiert sich praktisch nicht.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Solaranlage auf einem Ost-West-Dach?
Ja, fast immer. Mit 85-88 % des Süd-Ertrags und höherem Eigenverbrauchsanteil ergibt sich oft eine bessere finanzielle Bilanz als reine Süd-Anlagen - vor allem bei Tagesverbrauch durch Wärmepumpe oder Homeoffice.
Was ist die optimale Dachneigung für Solar in der Schweiz?
Für maximalen Jahresertrag: 30-35°. Für maximalen Winterertrag (z.B. mit Wärmepumpe): 45-55°. Flachdächer erhalten typischerweise eine Aufständerung von 10-15°.
Verlieren Module bei steilerer Neigung viel Ertrag?
Bei 45° Neigung statt 30° verlierst du im Sommer rund 5 %, gewinnst im Winter aber 10-15 % - netto fast ausgeglichen. Bei 60° wird der Sommer-Verlust grösser; eine Anlage auf einer Hauswand (90°) liefert noch 70 % des Optimums.
Sind Modul-Optimierer immer notwendig?
Nein. Bei einer einheitlich ausgerichteten Süd-Anlage ohne Verschattung reicht ein Standard-String-Wechselrichter. Optimierer lohnen sich bei Teil-Verschattung, Ost-West-Anlagen oder asymmetrischen Dächern - sie kosten 10-15 % mehr, retten aber 5-10 % Jahresertrag.
Wie schlimm ist Schnee auf den Modulen im Winter?
Bei 30° Neigung rutscht Schnee meist innerhalb von 1-3 Tagen ab. Bei flacheren Dächern oder schneereichen Lagen lohnt sich eine steilere Aufständerung. Dezember und Januar liefern in der Schweiz ohnehin nur 3-6 % des Jahresertrags - ein paar Tage Schneebedeckung sind verschmerzbar.
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